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Interview mit Noah Kauertz

Geboren in Indien und aufgewachsen in Spanien, trägt Kauertz eine kosmopolitische Perspektive in sich, die sich in der Vielfalt und Tiefe seiner künstlerischen Sprache widerspiegelt. Als ehemaliger Student an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft und Meisterschüler bei Prof. Andreas Orosz vereint er technische Exzellenz mit konzeptueller Substanz.

Wie würdest du den Ort beschreiben, an dem deine Bilder entstehen?

Noah: Also, als geordnetes Chaos, glaube ich. Bei mir ist alles ein bisschen wild, aber es ist alles sehr hergerichtet wie ein Arbeitsplatz – in einem sehr kleinen Atelier. Das liegt ganz im Norden von Leipzig, ein bisschen ab vom Schuss. Es ist ein schönes, altes Atelierhaus in einer ehemaligen Tuch-Fabrik, in der viele Maler:innen leben. Nach dem Studium dachte ich, ich kann super gut allein sein und mache das auch extrem gern. Aber ich merke auch, wie wichtig der Austausch ist. Ich konnte mich selbst kennenlernen und fragen: Was fehlt? Kreativität braucht Ruhe und Muße – aber auch dringend Austausch und einen Alltag. Malerei ist kein entspanntes Bad mit ’ner Flasche Wein. Aufstehen, möglichst viele Stunden im Atelier verbringen und am nächsten Tag von vorne. Muße ergibt sich nur im Atelier. Kunst machen oder das Malen ist halt auch nicht, jedenfalls für mich, unbedingt effektiv in einem wirtschaftlichen Aspekt. Die Kreativität braucht auch einfach mal Umwege, um dann am Ziel anzukommen.

Gibt es einen besonderen Moment im Schaffensprozess, den du als entscheidend empfindest?

Noah: Für mich ist definitiv der Anfang der beste Teil. Da liegt noch alles offen – ich habe dieses Gefühl, dass ganz am Anfang das Entscheidende gelegt wird. Ich stehe nicht verkrampft vor der weißen Leinwand, ich sehe unendliche Möglichkeiten. Je weiter ich voranschreite, desto mehr können Enttäuschungen kommen, wenn sich alles verfestigt. Meistens übertrifft das fertige Bild dann aber meine Erwartungen – und das ist ein tolles Gefühl.

„Malerei ist kein entspanntes Bad mit ’ner Flasche Wein, sondern eher: Aufstehen, möglichst viele Stunden im Atelier verbringen und am nächsten Tag von vorne.“
Just wie jedes Jahr

Gibt es Themen oder Motive, die dich immer wieder begleiten, oder saugst du einfach alles auf?

Noah: Je mehr ich experimentiere, desto mehr reduziere ich mich auf bestimmte Themen – aktuell sind es Räume. In meinen Bildern ist oft eine Figur, manchmal bin ich das selbst. Aber ich habe auch oft das Gefühl, dass sie alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, darum lass ich ich die Figur gern ein wenig verschwimmen, mache sie weniger eindeutig. In meinem Porträt im roten Bild zum Beipiel zoomt alles zurück, während die Farbsprache präsent bleibt.

„Gerade das Fragmentierte, das Zeitliche als Überforderung kennenzulernen – daraus entsteht in mir der Wunsch nach Ordnung im Chaos."
Rot ist das Girren deines grünen Vogels, 50 x 43,5 x 2 cm, Öl auf Leinwand

In deiner ersten Ausstellung war ein Werk, das den Fluss der Zeit zeigte – wie eine Armbewegung, die Zeit sichtbar macht. Findest du, dass Zeit immer noch wichtig für dich ist?

Noah: Definitiv. Zeit zieht sich durch alles. Über die Jahre hat sich mein Stil verändert – auch in meiner Masterarbeit war es spürbar: Schichten, Übermalungen, der Entstehungsprozess. Ich sammle Gegenstände, die mich beeinflussen. Alte Meister, Kunstgeschichte – das inspiriert mich nachhaltig. Ich fühle mich verbunden mit dieser traditionsreichen Linie, aber gleichzeitig will ich auch etwas Neues, Losgelöstes schaffen. Eine Transformation. Ich denke, gerade das Fragmentierte, das Zeitliche als Überforderung kennenzulernen – daraus entsteht in mir der Wunsch nach Ordnung im Chaos. Gleichzeitig ist diese Mischung auch Antrieb, sie formt meine künstlerische Haltung im Jetzt.

Gibt es einen besonderen Ort, an dem Werke von dir hängen? 

Noah: Ganz banal – aber ich liebe es, wenn meine aktuellen Werke als Leihgabe bei meiner Mutter landen. Dort hängen sie neben meinen Kinderzeichnungen. Dieser Kontrast, dieses Miteinander – das ist wie ein kleines Museum zuhause. Ich freue mich, wenn Bilder bei Menschen ankommen, die mich seit Beginn begleitet haben. Und ich freue mich noch mehr, wenn jemand sagt: „Dieses Bild gehört zu mir.“ Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Vielen Dank Noah.

Aufgezeichnet am 23.8.2025

Künstlerbiografie und verfügbare Werke

Im Schnee und Regen, den Winden entgegen, 60 x 40 x 2cm, Öl auf Leinwand
UniquenessOnPoint

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