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Interview mit Klara Landwehr

Klara Landwehr (*1987 in Haan, Rheinland) studierte an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf, als Meisterschülerin von Professor Eberhardt Havekost und Schülerin von Markus Lüpertz. In ihren Werken verbindet sie klassische Maltechniken mit einer hochaktuellen Bildsprache.

Könntest du dein Atelier bzw. den Ort beschreiben, an dem deine Werke entstehen? 

Klara: Das kann total unterschiedlich sein. Ob bei der Familie, bei Menschen, die mir nahestehen, oder im Urlaub. Eigentlich geht es gar nicht so sehr um den Raum an sich. Es zählt nur eins: Ich brauche eine Wand von ein bis zwei Quadratmetern, an die ich eine Leinwand hängen kann. Das ist die Hauptsache. Gutes Licht ist super wichtig, und im Zweifel geht’s auch ganz anders – mit Staffelei.

Heißt das, du hast ein spezielles Thema, mit dem du startest? Oder gibt dir die Situation das Thema vor? Wie läuft das ab bei einem neuen Werk?

Klara: Ein neues Werk beginnt viel früher – in mir drin, in meiner Gefühlswelt. Das Malen an sich ist aktuell nur einer der späteren Schritte. Bilder entstehen zunächst in einem intuitiven Prozess. Meistens setze ich mich dann hin und beginne mit einer Skizze. Aber nicht so, wie man sie sich klassisch mit Bleistift und Papier vorstellt. Stattdessen baue ich das, was später auf die Leinwand soll, zunächst im Kleinen nach, aus Papier, Pappe, Metall, Plastik, aus allem, was mir in die Hände fällt und mich inspiriert.

Die Malerei wird so zu einer alternativen Realität, zu einem Gegenentwurf, zu einer Auszeit mit Fokus auf das Heilsame, Gute und Freudvolle, auch mit viel Witz und Humor.
Durchreisevisum für Oberkellner, 110 cm x 150 cm, Öl auf Leinwand

Würdest du sagen, da ist ein Moment im Prozess, der besonders wichtig ist? Oder gibt’s mehrere? 

Klara: Der Moment, den ich gerade beschrieben habe, ist für mich der wichtigste. Es ist der Punkt, an dem sich alles, was ich ausdrücken möchte, in mir verdichtet und zum ersten Mal sichtbar wird, als Kollage. Darin liegt der Kern. Vieles geschieht dabei unbewusst, ganz intuitiv. Während des Malprozesses kommen dann weitere Entscheidungen hinzu, oft verändert sich das, was ich mir zuvor vorgestellt habe. Auch das geschieht intuitiv, im Jetzt, und ich spüre genau, wann etwas einen anderen Weg nehmen darf.

Und wie würdest du den Weg beschreiben, wie du zu deinem heutigen Stil gekommen bist? 

Klara: Ich habe an der Kunstakademie begonnen zu malen, mit dem Wunsch, alles malen zu können wie wir es sehen, wie die alten Meister. Klassisch in Öl auf Leinwand wollte ich eine räumliche Illusion von Wirklichkeit auf einer zweidimensionalen Fläche erschaffen. Daran habe ich, was die formalen Aspekte betrifft, mein ganzes Studium gearbeitet. Als ich diese Fähigkeit schließlich beherrschte, habe ich alles über den Haufen geworfen und begonnen, abstrakt und experimentell zu malen. Ich legte die fotorealistischen Fertigkeiten beiseite und malte frei, ohne zu wissen, wie das Bild am Ende aussehen würde. Das war neu für mich, denn zuvor hatte ich das Ergebnis immer klar vor Augen. Nach einigen Jahren dieses freien Arbeitens sind beide Wege wieder zusammengeflossen: das Wissen um die klassische Maltechnik und das Spielerische, Intuitive. Aus dieser Verbindung entsteht das, was ich heute male.

Das Unsagbare der Malerei, das, was sie einzigartig macht, funktioniert ohne Sprache.
Haus I, Öl auf Leinwand

Und wenn du jemandem deine Kunst kurz beschreiben müsstest, der deine Bilder noch nie gesehen hat – in ein paar Worten: Was würdest du sagen?

Klara: Hmmm… Kunst zu beschreiben ist immer nur ein Behelf. Meist sage ich „photorealistisch, gegenständlich, Landschaft, Pflanzen, Tiere… oder Stadt“. Doch Worte reichen selten. Lieber zeige ich Bilder, denn Kunst muss man sehen. Entscheidend ist für mich, vor dem Bild zu stehen und es zu fühlen. Das Unsagbare der Malerei, das, was sie einzigartig macht, funktioniert ohne Sprache. Wären Worte genug, wäre ich Autor. Am wichtigsten ist, dass die Bilder berühren, anfassen, dass wir uns begegnen und die Bilder gemeinsam erleben.

Gibt es Themen oder Emotionen, die immer wieder in deinen Werken auftauchen?

Klara: Mit Sicherheit. Oft erschließt sich mir erst im Nachhinein, was ein Bild bedeuten könnte. Ich gehe nicht mit einem bestimmten Ziel an die Leinwand, das ich bewusst ausdrücken möchte. Ich male, und erst später verstehe ich, was darin liegt. In meinen Kollagen tauchen immer wieder Themen wie Nostalgie, Heimat und Sehnsucht auf. Die Malerei wird so zu einer alternativen Realität, zu einem Gegenentwurf, zu einer Auszeit mit Fokus auf das Heilsame, Gute und Freudvolle, auch mit viel Witz und Humor. Vieles hat mit Rückschau zu tun, mit Orten oder Erlebnissen, die sich tief eingeprägt haben und aus denen ich schöpfe. Auch Wetterphänomene, Planeten und das, was am Himmel geschieht, kehren in meinen Arbeiten immer wieder zurück. Zum einen, weil sie mich erfreuen und mir Lust und Freude schenken. Zum anderen, weil sie für mich auch stellvertretend für Emotionen stehen. Sie sind ein Abbild des ursprünglichen Lebens. Viel spannender als meine eigene Interpretation in der Rückschau finde ich, was meine Bilder den Betrachtern sagen, was sie sehen und fühlen, was passiert wenn ich die Bilder in die Welt trage.

Gibt’s einen besonders coolen Ort, an dem deine Werke hängen?

Klara: Erstmal finde ich es cool, dass meine Werke an ganz unterschiedlichen Orten hängen – privat, in Geschäften, in öffentlichen Räumen. Am coolsten aber ist, dass Menschen aus meinem Umfeld sie um sich haben – mein Partner, mein bester Freund – echte Sammler, und meine Eltern leben in einem Klara-Museum. Das freut mich besonders. Wenn ein Käufer ein Werk auswählt, eine Verbindung entsteht, er mich daran teilhaben lässt und es Teil seiner Welt wird– das ist die größte Freude für mich.

Vielen Dank Klara.

Aufgezeichnet am 23.8.2025

Künstlerbiografie und verfügbare Werke

Ringfall Hinter Dem Irrweg, 50 x 70 cm, Öl auf Leinwand
UniquenessOnPoint

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