Interview mit Sebastian Menzke
Ein Gespräch über Materialität, die Sprache der Malerei und die Entwicklung seines Werks.
Viele Künstler bleiben ein Leben lang bei klassischen Medien wie Öl oder Acryl. Wie kam es bei dir dazu, Epoxidharz in dein Werk zu integrieren? Gab es ein Schlüsselerlebnis, das dich zu diesem speziellen Material geführt hat?
Sebastian: Mich haben schon immer unterschiedliche Materialien und deren spezifische Eigenschaften fasziniert – vor allem die Frage, wie sie als Ausdrucksform genutzt werden können. Das Experimentieren mit den verschiedensten Werkstoffen begleitet mich seit meiner Zeit an der Fachhochschule. Das wurzelt sicherlich in meinem Produktdesign-Studium: Etwas Neues zu erfinden, stand dort an der Tagesordnung. Der Weg zum Ziel war damals so unterschiedlich wie die kreativen Köpfe, die dort versammelt waren – eine extrem inspirierende und fortschrittliche Umgebung. Es gab also nicht den einen Moment oder ein spezifisches Schlüsselerlebnis mit dem Epoxidharz. Es war vielmehr eine kontinuierliche Entwicklung hin zu dem, was es heute ist. Man muss ein Material erst einmal wirklich kennenlernen, und so etwas braucht Zeit.
Was ist es genau, das dich an Epoxidharz so begeistert? Liegt der Reiz eher in der technischen Herausforderung oder in der optischen Tiefe?
Sebastian: Anfangs war es tatsächlich die plastische Tiefe, die ich am Harz so spannend fand. Es ermöglicht völlig andere Bilderwelten. Was ich zu Beginn noch recht flach als Schicht verwendet habe, gewann über die Jahre immer mehr an Volumen und Räumlichkeit. Heute sind die Arbeiten eher skulptural und interagieren stark mit Farbe, was wiederum meiner Malerei sehr entgegenkommt. Auch hier entwickelt sich alles weiter, ist im Fluss – und so soll es sein.
Wie unterscheidet sich dein innerer Modus, wenn du klassisch auf Leinwand malst, im Vergleich zum Arbeiten mit Harz? Erfordert das Material eine andere Strategie?
Sebastian: Der Prozess des Malens unterscheidet sich grundlegend von der Arbeit mit Harz. In der Malerei bin ich sehr konzentriert, reflektiere viel über Komposition, Wirkung und Aussage. Gleichzeitig lasse ich mir beim Malen aber viel Freiraum, um Dinge einfach geschehen zu lassen. Gerhard Richter hat es einmal treffend formuliert: Malerei ist eine andere Form der Sprache. Wer diese Sprache beherrscht, ist in meinen Augen authentisch.
Beim Harz hingegen ist der Prozess zwar ebenfalls konzentriert, aber geplanter und auf eine andere Art entspannt. Das Material diktiert gewisse Parameter wie Verarbeitungstemperaturen und Zeitfenster. Das Färben und Zusammensetzen erfordert viel Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Disziplin. Natürlich passieren Fehler, weil man zu schnell war oder einen Parameter aus den Augen verloren hat. Aber insgesamt ist es eher ein Abspulen wiederkehrender Vorgänge. Das entspannt meinen Kopf, ich grübele dann nicht so viel über andere Dinge nach. Für mich ist das ein sehr wichtiger Ausgleich zur Malerei.
Deine Werke wirken wie eine ständige Evolution. Setzt du dir für neue Phasen gezielt technische Ziele, oder ist dieser Fortschritt ein rein organischer Prozess?
Sebastian: Die Neuerfindung ist ein absolut natürlicher Prozess. Ich vergleiche das gerne mit einem Seiler: Immer neue Fäden werden zu einem größeren Seil zusammengesetzt, das anschließend zu einer dickeren Leine und später zu einem Tau wird. Neue Einflüsse verbinden sich mit eigenen Referenzen zu neuen Werken, wodurch immer wieder neue Zyklen entstehen. Aktuell ist das Licht in physischer Form als Element hinzugekommen und formt so auch die Malerei neu. Wer mein Werk über Jahre begleitet, kann diese Zusammenhänge erkennen und das Gesamtwerk besser verstehen. Es ist mittlerweile ein umfangreiches Œuvre mit hunderten Bildern, Objekten und Grafiken, die mir eine gewisse Existenzberechtigung geben. Das beruhigt mich. Ich sammle mich gewissermaßen selbst.
Zum Abschluss die Frage nach Intuition und Kontrolle: Wie viel „Plan“ steckt in einer neuen Arbeit?
Sebastian: Es ist immer beides! Der grobe Plan steht vorher, meist gefolgt von Zeichnungen und Recherchen. Ich denke oft eine ganze Weile darüber nach, in einer Art Endlosschleife, bis ich vielleicht eine grobe Lösung gefunden habe. Aber am Ende werfe ich oft alles über den Haufen und fange einfach an. Erst während des Prozesses übermannt mich dann Stück für Stück die Kontrolle wieder, und das Werk ähnelt schließlich doch ungefähr dem, was ich mir ursprünglich ausgedacht hatte.
Vielen Dank dir, lieber Sebastian, für deine Gedanken zu deinem Werk.
